...das Meer in meiner Seele... 

Regungslos erstreckt sich das Meer rund um Portovenere zum Horizont. Ein azurblauer, endloser Teppich, auf dem eine Welle die andere nach sich zieht. Machtvoll in seiner Unendlichkeit, drohend durch seine Undurchdringlichkeit.Am Abgrund der Unendlichkeit tobt der immerwährende Kampf der Urgewalten um Sieg oder Niederlage. Weißschäumende Wassermassen brechen sich mit ungeheurer Kraft an den riesigen Klippen, die unerschütterlich mächtig in den Himmel ragen.

Mit verlorenem Blick, magisch angezogen vom faszinierenden Spiel der Elemente, verliere ich mich unaufhaltsam im Sog des gewaltigen Kampfes um Macht, Kontrolle und Vernichtung. Oben auf den Felsen kauernd, sprengt der Anblick der tosenden Schlacht in der Tiefe die Tür zu einem reißenden Strom der Emotionen und Gedanken. Wut, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Trauer bahnen sich mit ungeheurer Intensität ihren Weg an die Oberfläche. Einsamkeit und Angst, Ausweglosigkeit und Aggression umhüllen mich mit dem erdrückenden Mantel der Verlorenheit. Das unbeschreibliche Ausmaß der einander jagenden Empfindungen lassen mich erstarren. Und so starre ich hinaus in die undurchdringliche Kraft des Ozeans.

Der innere Kampf meiner Emotionen raubt mir die Sinne. Unaufhörlich entziehe ich mir der Realität. Fast unmerklich nähern sich meine Gedanken dem Rande des Bewusstseins, bis ich die Schwelle überschreite und mein gequälter Geist in die Tiefen des Unterbewusstseins driftet. Versinkend in der unergründlichen, verborgenen Realität meines Ichs, gefangen in der unbarmherzigen Reflexion meines Lebens. Die vertraute Leere früherer Jahre, eine befremdliche Mischung zwischen Stille und Lärm. Mit ihr kehren verdrängte, längst vergessen geglaubte Bilder und Erinnerungen meiner Kindheit zurück:

Die hellen, doch kalten Zimmer; der unaufhörlich laufende Fernseher als vertrautester Freund; die geräumige, doch abweisende Küche, in der niemals Kuchen oder Kekse standen; die endlosen, einsamen Stunden mit meinem Pferd über die Wege der Wiesen und Wälder auf der Suche nach irgendwas; mein vorzeigbares Kinderzimmer mit mehr als genug Spielzeug, doch ohne einen Hauch von Wärme. Ein geordnetes Leben mit der relativen finanziellen Sicherheit der oberen Mittelschicht. Zumindest nach außen hin. Doch hinter jener gutbürgerlichen Fassade warfen die dunklen Seiten von Beginn an ihre Schatten auf mein Leben. Es begann mit meinem Vater. Ein Kapitel meines Lebens, dessen erste Zeilen geschrieben wurden, um anschließend achtlos zur Seite gelegt zu werden. Sämtliche Notizen und Manuskriptseiten verbannt in einer Schublade meines Gedächtnisses. So raubte ich mir selbst jede Möglichkeit, jenen so wichtigen Auszug meines Lebens abzuschließen.

Sehnsucht nach einer warmherzigen Familie hinterließ eine quälende Leere, die ich mit Tagträumen zu füllen versuchte. Und dazu brauchte es Phantasien. Phantasien als Malwerkzeug, mit dem ich das Blatt der Vaterfigur nach meinen eigenen Vorstellungen und Wünschen in glühenden Farben ausmalen und so die Präsenz des schmerzlich gefürchteten Vaters ausblenden versuchte. Die gänzliche Verdrängung eines Menschen, der unauslöschlicher Teil meines Daseins ist. Und die im Nichts verhallenden Fragen nach der Persönlichkeit und den Gründen für das Verhalten meines Vaters ließen in mir ein Gefühl der Rastlosigkeit wachsen. Ein ständiges Warten, geboren und gelebt in meinem Unterbewussten, ließ mich nicht zur Ruhe kommen. Erfüllt von einem irrationalen Glauben und einer namenlosen Hoffnung lebte ich stets in sehnsüchtiger Erwartung auf eine Entschuldigung meines Vaters, die all meinem Unverständnis und Schmerz ein Ende bereiten würde. Kälte, Einsamkeit und Leere, verborgen vom scheinbaren Glanz zu vieler Konsumgüter, waren die ständigen Begleiter meiner Kindheit. Immer auf derSuche nach Wärme, Vertrauen und Geborgenheit und dennoch zurückgehalten von früh und gnadenlos gelehrtem Misstrauen, gepaart mit Angst vor Unverständnis und Zynismus, zog ich mich zurück. Vertrauen zu anderen gab es nicht. Die Kluft zwischen mir und ihnen schien zu groß. Denn die Absurdität meiner wirklichen Realität hinter dem normalen Leben ließ den Graben unüberwindbar werden

Auch ich hatte eine Mutter wie all die anderen Kinder, die mich versorgte und ernährte. Die mich liebte und beschützte. So präsentierte sie sich zumindest vor Nachbarn, Klassenkameraden und anderen etwaigen Zeugen. Eine ungeschlagene Meisterin im Vermitteln von Illusionen, im Bauen von stabilen Lügengebäuden. Dienlich zur Wahrung der Fassade, der Tarnung für ihr wahres Leben, der Verschleierung ihres wahren Ichs.

Hinter der Maske der schönen, jungen Frau, der liebenden Mutter, verbarg sich entsetzliche Kälte und pure Ablehnung - spürbar nur für mich - ihrer Tochter. Schemenhaft und undefiniert in den frühen Jahren, bewusst und in flammenden Schriftzügen unauslöschlich eingebrannt in meinem Herzen. Ungewollt, ein Klotz am Bein, unnützer Ballast, schuldig und verantwortlich für all ihre Misere – Synonyme für mein Dasein vom Beginn meines bewussten Denkens, bis über das tragischen Ende der Mutter-Tochter-Beziehung, die diesen Namen nicht einmal verdiente, hinaus.

Verstört, verletzt und nicht in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen, packte ich meine Klamotten und die wenigen Sachen, die mir etwas bedeuteten in eine Tasche. "Raus hier, nur weg, weg, weg - wohin auch immer", schrie alles in mir. Unfähig diesem so drängendem Impuls mit Vernunft zu widerstehen, öffnete ich die Tür und ließ den Rest meiner Familie für immer hinter mir zurück - eine Familie, die niemals eine Familie für mich war.

Mit meiner überstürzten Flucht brach ich die Brücken meiner Kindheit endgültig ab, in eine ungewisse, ziellose Zukunft. Jedoch ohne den bestimmenden Kreislauf meines Lebens aus Einsamkeit, Nichtbegreifen und Angst wirklich durchbrechen zu können. Ich vergeudete viele Jahre, um die entscheidende Frage meiner Kindheit und Jugend - die quälende Suche nach dem Warum - zu beantworten. Unzählige schlaflose Nächte, die Kehle zugeschnürt von stummen Schreien und ungeweinten Tränen, versuchte ich den Grund für die Ablehnung und der gnadenlosen Kälte meiner Eltern auf die Spur zu kommen. Mit jeder Frage quälte ich meinen kindlichen Geist, ohne je zu einer zufriedenstellenden Antwort zu gelangen, nach der ich so verzweifelt verlangte. Mein Vater, der Jahre später nach einer schweren Krankheit den letzten Kampf seines Lebens - den Kampf gegen den Tod - verlor, konnte mich nicht mehr direkt beeinflussen. Doch aus meinen Gedanken vermochte ich ihn niemals vollständig zu löschen, so sehr ich mich auch bemühte. Die Spuren, die er in meiner Seele hinterließ, waren zu tief und unauslöschlich. Der Aufbruch in mein neues Leben wurde ständig begleitet von einem vertrauten Gefühl meiner Kindheit. Wie ein unliebsames Souvenir trug ich Einsamkeit, Schuld, Scham und Verlorenheit in meinem Gepäck. Sie umhüllten mich wie ein Mantel, der jedoch nicht zu wärmen vermochte, sondern der mich durch ein rastloses Leben trieb. Ohne Halt, ohne Bezugspunkt und nicht in der Lage sich länger an einem Ort niederzulassen, versuchte ich ständig alles um mich herum zu verändern, während mich der unaufhaltsame Fluss der Zeit zur Frau und Mutter werden ließ. Ein Vagabund auf der Suche nach Wärme, Verständnis und Liebe, angetrieben von einer unerklärlichen doch tiefen Hoffnung, die ich nie aufzugeben vermochte. An einem regnerischen, trostlosen Juliabend bekam diese Hoffnung einen Namen: Ronald. Ich traf ihn auf einer der namenlosen, nichtssagenden, oberflächlichen Gute-Laune-Partys, bei denen ich schon unzählige, endlose Stunden meines Lebens vergeudet hatte, grübelnd und nur in Begleitung eines ‚wärmenden’ Proseccos. Als er eintrat, schien der triste Partyraum mit einem Mal heller zu werden. Sein Lachen, seine Art zu sprechen, seine Augen und die ausdrucksvolle lebensbejahende Art seiner Bewegungen raubten mir schier den Verstand. Auch er war ohne Begleitung und schien die Einsamkeit und das Alleinsein zu verdrängen versuchen. Fast wie selbstverständlich kamen wir ins Gespräch und schon an jenem ersten Abend fühlte ich mich Ronald so nah wie noch keinem Menschen zuvor. Ich sah in ihm einen errettenden Leuchturm, der mir mit seinem bezaubernden Strahlen in seinen Augen eine neue Dimension des Meeres zeigen würde, der die tobenden Kräfte meiner Gefühle endlich in einen ruhigen See verwandeln würde.

Jene unerklärliche Hoffnung wuchs jäh zu einer Dimension empor, zu der bisher nur meine geheimsten Träume einen Zugang besaßen. Träume von tiefer Liebe, von Ehrlichkeit und Treue, von einem Leben zu zweit. Geben und nehmen, für immer. Die erste gemeinsam verbrachte Zeit bestätigte meine Gedanken und Gefühle auf unbeschreibliche Art. Der Traum von Nähe und Innigkeit wurde auf eine Weise erfüllt, die ich mir niemals hätte vorstellen können. Zwei Seelen, zwei Herzen die eins werden - unauslöschlich und durch nichts zu trennen.

 

Nach all den Jahren der Rastlosigkeit - der unablässigen Suche - erleichtert und ohne Blick zurück, alles Geschehene hinter sich lassend, fühlte ich mich zum ersten Mal in meinem Leben lebendig. Das schwache, flackernde Licht am Horizont, einziger Richtungsweiser meines Daseins, wurde plötzlich gleißend hell und strahlend. Doch mein Traum starb bevor er wirklich zum Leben erwachen konnte. Denn das Erwachen kam bereits nach kurzer Zeit mit solcher Wucht und Brutalität, dass es mich buchstäblich in die Knie zwang. Ungewollt doch unausweichlich und ohne jede Chance der Gegenwehr. Gerade erst in die ungeahnten Höhen der Gefühlswelt emporgestiegen, war diese erneute emotionale Bruchlandung in meinem Leben gleichzeitig die letzte. Ein unaufhaltsamer freier Fall in die ausweglose Endgültigkeit meiner Existenz.

Im verzweifelten Versuch meinen Traum zu bewahren, versuchte ich die Augen vor der drohenden Katastrophe zu verschließen, die quälenden Gedanken vor der Realisation aus meinem Bewusstsein zu verbannen: Ich griff nach den zerfasernden Fetzen meiner Illusion um sie wieder zu einem wirklichen Ganzen zusammenzusetzen. Eingehüllt in den nur spärlich schützenden Mantel des Nicht-begreifen-Wollens, nur geleitet von meiner Hoffnung, fanden meine Schritte immer und immer - nahezu unbewusst - den Weg zu ihm. Eine irrationale Sehnsucht nach Liebe rettete was niemals existierte. Doch gerade diese wunderschöne Illusion verhöhnte mein Tun als letzten aussichtslosen Versuch inmitten der Ausweglosigkeit. Enttäuschung, Trauer und Schmerz begleiteten mich seitdem in einem mir selbst gewählten Sumpf aus Demütigung und Ohnmacht. Stumme Hilferufe, geboren aus dem Unverständnis für sein schmähliches Handeln, verhallten stets ungehört im kalten Nichts.

Diese Konzeption der Liebe war kein dramatisches Reformprogramm, sondern folgte einer Konzeption, die die Misere bis in die letzte Konsequenz verfolgte, ohne den Schluss durch das Angebot einer Alternative abzuschwächen. Um am Ende dennoch den Schein der Tragödie zu vermeiden, kam es mitunter zu einem Finale, das sich in der Groteske selbst aufzuheben schien: Auf meiner Mailbox verewigt, versetzte mir die Stimme Ronalds den letzten, endgültigen Dolchstoß mitten ins Herz meines Daseins. In meiner Erinnerung noch zärtlich und liebevoll, verhöhnte er mich mit grenzenlosem Spott und klirrender Kälte. Seine niemals existente Liebe zu mir gepaart mit der unmittelbar folgenden Mitteilung, auch er habe nun seinen letzten Kampf seines Lebens - seinen Kampf gegen den Tod - verloren, hinterließ in mir einen letzten Abschiedsgruß, der durch die gnadenlose Ironie einer grausamen Parallelität sorgfältig zu einem tödlichen Cocktail gemixt war und sich in seiner Wirkung unfassbar zerstörerisch auswirkte.

Gleich einem glühenden Blitz bohrte sich die Erkenntnis mit unerträglicher Klarheit ihren Weg in mein Herz, bis weit hinab in mein tiefstes Innerstes. Der Traum von Liebe und Nähe, die Hoffnung auf Verständnis und Ehrlichkeit. Alles falsch. Betrogen, verraten, missbraucht. Wie ein riesiger Berg türmten sich Hilflosigkeit und abgrundtiefe Verzweiflung über die sich grausam wiederholende Geschichte meines Schicksals vor mir auf. Der Kreis hat sich geschlossen, das Opfer wird erneut zum Opfer. Eine Parallele voller Ironie wächst zu einem unüberwindlichen Hindernis der Ausweglosigkeit. Der unbeschreibliche Schmerz des Betrogenen, der brennende Hass des Gedemütigten, die tiefe Schmach des Missbrauchten und der ungläubige stumme Schrei nach dem Warum steigern sich erneut zu einer ungeheuren Explosion der Emotionen, die sich schlussendlich wiederum in einem unglaublichen seelischen Experiment der Starre manifestierten. So wurde ich selbst wieder zu einer dieser Klippen: Unerschütterlich und mächtig, da unangreifbar, aber leblos da versteinert.

Doch nun zu deiner Rolle Markus: Der berühmte Zufall war es nun, der mich zu dir brachte. Und du warst es auch der mich ermutigte die Schlacht in der Tiefe zu suchen, zu erkennen und zu benennen. Du hast mich dazu bewegt Teile meiner Kontrolle aufzugeben, mit der ich mein wahres Ich vor mir und der Außenwelt verleugnete und verbarg. Und du warst es auch, der mir brutal und gänzlich unerwartet die Augen öffnete. Ein kurzer Augenblick der Konfrontation genügte, um die wahren Beweggründe für mein Verhalten endlich zu erfahren und im selben Augenblick das ohnehin schwache Fundament meines Lebens zusammenbrechen zu lassen. Der verhängnisvolle Schlüssel der Wahrheit, der meine Qual statt zu beenden grausam intensivierte, lag gut versteckt und sicher bewahrt in meinem Herzen. Viele Jahre so sorgfältig behütet und versteckt, dass ich von seiner Relevanz nicht einmal etwas ahnte, stand es eines Tages auf einem lieblosen Zettel den ich dir geschrieben hatte. Und es zeigte mir wie eine Welle die andere Welle in mir auslöste.

Die sinnlose Aneinanderreihung von Sätzen, die darauf standen zogen dich direkt in einen Bann. Allein dein Blick den du mir zuwarfst, erfüllte mich mit namenlosem Schrecken. Fast so als ob etwas tief in mir bereits dein Mitgefühl, das die beschriebenen Zeilen in dir hinterlassen würden, ahnte und zu verhindern suchte. Erinnerungen meiner Kindheit, meiner Kämpfe und Einsamkeit, dokumentiert auf wenigen eng beschriebenen Seiten. Doch die nagende Ungewissheit meines bisherigen Lebens waren stärker und so fand ich zwischen deinen Worten viele Antworten auf all jene Fragen die mich schon so lange quälten. In deinen Aussagen mit solch gnadenloser Deutlichkeit präsentiert, dass es mir den Atem verschlug.

Und der reißende Strom meiner Empfindungen warf mich wiederum gewaltsam zurück in die Dunkelheit der Realität hoch oben auf den Klippen von Portovenere und lenkte meinen Blick hinab in die Tiefe zu den weiß schäumenden Wassermassen, die sich mit ungeheurer Wucht wieder und wieder an den Felsen brechen. Die Brandung des Ozeans vereinigt sich in mir mit dem Tosen meiner Emotionen zu einer einzigen gewaltigen Woge, die mich gleichsam auf Flügeln hinweg trägt zu einem Ort der Stille, fernab aller quälenden Schmerzen der Verzweiflung. Eine eigentümliche Ruhe überkommt mich. Mit fremdem, fast gelassenem Blick nehmen meine Augen die machtvolle Unendlichkeit der See, den schier unendlichen Abgrund der abfallenden Klippen in sich auf. Leise, wehmütige Trauer über ein verschwendetes Dasein ohne die Kraft den ureigenen Traum zu leben, berührt mich wie eine liebevolle Hand zum letzten Abschiedsgruß. Den Blick hinab in die undurchdringliche Tiefe gerichtet, schweifen meine Gedanken zu all jenen unbekannten, namenlosen Seelen, die vor ihm Trost in der unerschütterlichen Kraft der Felsmassen suchten, gefangen im eigenen Käfig ihres persönlichen Schicksals und unfähig, sich aus eigener Kraft zu befreien. Der ferne Ruf der namenlosen doch verwandten Seelen, die Sehnsucht nach der einzigen, unauslöschlichen Verbundenheit schwillt zu einem flüsternden Orkan unhörbarer Stimmen. Den Wind, der stürmisch an meinen Haaren zerrt, als sanft führende Hand ergreifend, fliege ich dem blaugrünen, undurchdringlichen Teppich der Unendlichkeit entgegen, um eins zu werden mit der unbekannten Hoffnung in der Ewigkeit. Doch dann spüre ich, wie diese Hand – deine Hand – mich sanft über die weiten Wassermassen in die unendliche Weite – in die Freiheit – trägt. Für Sekundenbruchteile nur liegt Stille über der endlosen Weite der Meeres. Eine winzige, fast unmerkliche, wiederkehrende Atempause der Schöpfung vor dem nächsten Kampf der Elemente um Macht, Kontrolle und Vernichtung; unberührt und jenseits aller irdischen Tragödien.

Was bleibt ist einzig die schemenhafte Erinnerung an die Unschuld im Gesicht eines Kindes, dessen Augen die Hoffnung als Urkeim jeden Anfangs noch unangetastet reflektiert und mit Vertrauen diese Hand annimmt. Und es erblickt nun die andere Seite von Portovere, auf der sanfte kleine Wellen sich zufrieden aneinander schmiegen und der sichere Hafen ihnen Schutz vor den Urgewalten bietet ohne ihnen die Möglichkeit zu nehmen ins offene freie Meer zurückzukehren.